Das Schützenfest geht auf die mittelalterlichen Schützengilden zurück, die einst für die Verteidigung der Stadt zuständig waren und heute vor allem eine Tradition aus Festzug, Königsschießen und Blasmusik pflegen. Am stärksten lebt der Brauch in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, mit einzelnen Ablegern bis nach Norddeutschland und Süddeutschland.
Das größte der Welt: Hannover
Das Schützenfest Hannover gilt als größtes Schützenfest der Welt: zehn Tage lang, mit einem Festumzug von über 10.000 Teilnehmenden am ersten Sonntag, der die Straßen der niedersächsischen Landeshauptstadt für Stunden in Beschlag nimmt. Neben dem Umzug gehört ein großer Rummelplatz mit Fahrgeschäften zum Fest, sodass es sich stellenweise wie eine Mischung aus Schützenfest und klassischer Kirmes anfühlt.
Nordrhein-Westfalen: die Hochburg der Bürgerschützenfeste
Nordrhein-Westfalen hat die höchste Dichte an Schützenfesten in Deutschland. Das Neusser Bürger-Schützenfest gehört zu den größten des Landes, mit historischem Festzug durch die Innenstadt. Das Bürgerschützenfest Wesel und das Iserlohner Bürgerschützenfest folgen demselben Muster: mehrtägiges Programm, Königsschießen, Festzug und ein Rummelplatz mit Fahrgeschäften.
Kleinere, aber ebenso traditionsreiche Schützenfeste finden sich in Kattenstrot bei Gütersloh, in Düren-Grüngürtel mit dem Schützenfest St. Antonius, in Bad Laasphe im Sauerland, in Winterberg im Hochsauerland und in Niederpleis bei Sankt Augustin.
Außerhalb von NRW und Niedersachsen
Auch andere Regionen haben ihre eigenen Schützenfeste, meist in einem lokal eigenständigen Format. Das Biberacher Schützenfest in Baden-Württemberg ist eines der ältesten und größten Kinder- und Heimatfeste Süddeutschlands. In Bremen sorgt das Borgfelder Schützenfest für ein überschaubares, stadtteilnahes Fest, und in Schleswig-Holstein verbindet das Bürger- und Schützenfest Ratzeburg die Tradition mit der Kulisse der Inselstadt am Ratzeburger See.
In Mecklenburg-Vorpommern läuft das Schützenfest oft zusammen mit dem allgemeinen Stadtfest, wie beim Parchimer Stadtfest und Schützenfest, und in Brandenburg verbindet das Spreewald- und Schützenfest Lübbenau die Tradition mit der Kulisse der Spreewald-Fließe. Wer ein Schützenfest zum ersten Mal besucht, erkennt es meist am Königsschießen: Der neue Schützenkönig wird traditionell am letzten Tag verkündet und mit einem eigenen Festzug gefeiert.
Wie ein Schützenfest abläuft
Auch in Niedersachsen lebt die Tradition außerhalb Hannovers weiter, etwa beim Schützenfest Springe am Rand des Deisters, einem der zahlreichen kleineren Schützenfeste, die dasselbe Grundmuster wie das große Vorbild in Hannover haben, nur in kleinerem Rahmen.
Der typische Ablauf zieht sich über mehrere Tage: Eröffnung mit Fahnenappell, Festzug durch die Straßen mit Musikkapellen und Schützenvereinen in historischer Uniform, das eigentliche Königsschießen an einem der mittleren Tage, und am letzten Tag die Proklamation des neuen Schützenkönigs mit einem eigenen Umzug. Wer neu dazukommt, sollte wissen: Mitmachen darf grundsätzlich jeder, das Königsschießen selbst ist meist den Vereinsmitgliedern vorbehalten, aber der Festzug und der Rummelplatz mit Fahrgeschäften und Bierzelt stehen allen offen.